Methodik in Perfektion – das SAP-Framework ISA-M

Wed, 27 Feb 2019 12:54:19 +0100

Im Zuge stetig wachsender Integrationsbedürfnisse und dem damit einhergehenden Bedarf an einer Message Oriented Middleware (MOM), wie der SAP Cloud Platform Integration (SAP CPI), treffe ich im Integrationsarchitekturumfeld vermehrt auf das Buzzword ISA-M. Doch was genau hat es mit ISA-M auf sich und wozu dient es? Im Rahmen eines Projektes rund um das Thema SAP CPI und deren Anbindung an die SAP Sales Cloud habe ich mich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen mit Ihnen teilen. Sie erhalten neben allgemeinen Informationen zum Framework und dessen Vorteilen auch eine einfach anwendbare Schritt-für-Schritt-Anleitung. Ich freue mich auf Ihr Feedback und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Was ist ISA-M?

Zunächst einmal steht ISA-M für Integration Solution Advisor Methodology. Entworfen wurde das eigens von der SAP entwickelte Framework, um dem permanenten Wachstum von On-Premises-, Cloud-, Mobile- sowie IoT-Szenarien und dem damit verbundenen wachsenden Integrationsgrad Herr zu werden. ISA-M unterstützt hierzu bei der systematischen Auswahl und Implementierung von plattformunabhängigen Integrationstechnologien wie der SAP CPI. Dazu greift ISA-M auf bewährte Integrationspattern sowie erweiterbare Use-Cases zurück und fokussiert sich auf die Schlüsseldimensionen von Integrationsproblemen.

Welche Vorteile generieren sich aus der Anwendung des ISA-M-Modells?

Moderne und leistungsstarke IT-Infrastrukturen sind ein maßgeblicher Erfolgsfaktor für jedes größere Unternehmen. Eine besondere Rolle spielt dabei die vorhandene Integrationsarchitektur. Nur zu schnell geht der Überblick über die im Unternehmen existenten zahllosen Anwendungen und Schnittstellen verloren. Dadurch können erhebliche Mehraufwände entstehen. Werden bspw. Redundanzen nicht erkannt führt dies zu eventuell unnötigen Lizenzkosten für nicht mehr benötigte Anwendungen. Zudem werden veraltete Systeme mit teilweise hohen Entwicklungsaufwänden weiter gepflegt, was einem gesteigerten Arbeitsaufwand für Wartung und Support zur Folge hat.

Mit Hilfe des ISA-M-Modells kann ein strukturiertes Vorgehen zur Evaluierung der existenten oder zum Aufbau einer neuen intelligenten Integrationsarchitektur etabliert werden. Zudem schafft ISA-M ein Bewusstsein für die bereits bestehende IT-Systemlandschaft im eigenen Unternehmen und trägt dadurch zur Verbesserung des IT-Kostenmanagements bei.

Wie wird das ISA-M-Modell angewendet?

Im ersten Schritt wird die eigene Ist-IT-Landschaft betrachtet und mit der potentiellen Soll-IT-Landschaft verglichen. Dies ist durch die folgende Domänenübersicht aus Abb. 1 möglich. Hier stellt sich schnell heraus, in welcher/welchen Integrationsdomäne/-n sich aktuell die eigene IT-Landschaft befindet und welche neuen Integrationsdomänen zu betrachten bzw. für den oder die Geschäftsprozesse relevant sind.

Domänenübersicht, SAP und NON-SAP-Komponenten, User-Centric Applications, Real World ObjectsAbb. 1: Domänenübersicht

Nach der Identifizierung der zu integrierenden Domänen, werden als nächstes, wie in Abb. 2 dargestellt, alle betroffenen Domänen mit den dazugehörigen potentiellen Integrationstechnologien aufgelistet, um darauf aufbauend das oder die potentiellen Integration Styles zu evaluieren.

High-Level Rahmen des Integrationsportfoilios, Domänen mit dazugehörigen potenziellen Integrationstechnologien Abb. 2: High-Level Rahmen des Integrationsportfolios Integration Style – Vorstellung der verschiedenen Typen

Die Integration Styles sind grundlegend in vier unterschiedliche Kontexte gegliedert.

Process Invocation, welches sich mit ganzheitlichen Geschäftsprozessen – wie einer Bestellung, der Verarbeitung sowie dem anschließenden Versand der Ware – beschäftigt.

Beim Data Movement dreht sich alles um den Abgleich von Daten unterhalb verschiedenster Systeme/Applikationen. So können zum Beispiel Replikate von Datensätzen mit anderen Systemen täglich synchronisiert werden.

Die User-Centric Consumption beschäftigt sich mit Kundeninteraktionen, wie sie beispielsweise im Onlinehandel vorkommen.

Der vierte Integration Style ist die Thing Integration, bei der physische Gegenstände miteinander interagieren. Ein Beispiel dafür ist die Vernetzung von Flurförderfahrzeugen in Produktionsbetrieben. Durch die Thing Integration wissen die Fahrzeuge genau, welche Materialien zu welchem Zeitpunkt von A nach B gelangen müssen. Zudem können die Fahrzeuge optimal auf deren Standorte abgestimmt werden.

4 Fundamentale Typen der Anwendungsintegration, Process Invocation, Data Movement, User-Centric Consumption, Thing Integration Abb. 3: Die vier Fundamentalen Typen der Anwendungsintegration

Die genannten Integration Styles des ISA-M-Frameworks sind aber nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt, sondern lassen sich auf zukünftige Integration Styles erweitern. Einen Überblick über die einzelnen Integration Styles ermöglichen die Abbildungen drei und vier.

Plattformunabhängigkeit - offen für SAP und NON-SAP Middleware KomponentenAbb. 4: Plattformunabhängigkeit – offen für SAP- und NON-SAP-Middleware-Komponenten Anwendung der Integration Styles in Use Cases

Wie zu Beginn erwähnt, ist das ISA-M-Modell nicht auf eine von der SAP entworfene Integrationstechnologie beschränkt. Ebenso können Technologien wie die IBM DataPower, IBM API Connect, diverse Queuing Systeme oder einfache Filetransfer-Technologien abgebildet werden. ISA-M dient lediglich dem Ermöglichen von Services. Mit welcher Technologie und welchem Integration Style letztendlich gearbeitet wird, ist dabei nicht relevant.

Sind der eigene Integration Style und die Integrationsdomänen identifiziert, so wird der ganzheitliche Integration Style aufgezeigt. Beispielhaft zeigt dies Abb. 5. Hier findet eine Integration aus der Cloud in ein On-Premises befindliches ERP-System mittels SAP CPI statt. Die unternehmensspezifischen Business-Logiken und -Prozesse sind dabei immer mit abzubilden.

Key Charakteristiken der Process Invocation: SAP Hybris Cloud for Customer, SAP Cloud Platform Integration, SAP ERPAbb. 5: Exemplarische Schlüsselcharakteristiken der Process Invocation

Anwendung finden der Integration Style und die Integrationsdomänen nun in den unterschiedlichsten Use-Cases. Das ISA-M-Modell bietet bereits für jeden Integration Style diverse grundlegende Use-Cases an, welche auf die eigenen Bedürfnisse anpassbar und beliebig skalierbar sind. So werden beispielsweise in der Process Invocation unterschiedliche Use-Cases, wie A2A (Application-to-Application), B2B (Business-to-Business) und Business Network Integration, angeboten. Anschließend findet das Mapping auf die diversen in einem Unternehmen und auf dem Markt existierenden Integrationstechnologien statt. Dabei müssen alle Funktionalitäten und Restriktionen jeder einzelnen Integrationstechnologie im Einzelnen betrachtet und jeder Integration Style sowie jeder Use-Case einzeln bewertet werden.

Mapping von Integration Styles mittels Use Case Patters auf Integrationstechnologien Abb. 6: Mapping von Integration Styles auf Integrationstechnologien

Aufgrund dessen, dass es diverse Integrationsszenarien in einem Unternehmen geben kann, werden natürlich auch unterschiedliche Integrationsdomänen, Integration Styles und Use-Cases in einem Unternehmen integriert. Um hier einen guten visuellen Überblick über alle auftretenden Szenarien zu behalten, wird zusätzlich eine Matrix genutzt, die sämtliche Fälle aufzeigt.

Visueller Überblick mittels Matrix über Kombination aus Integration Domain und Integration Style Abb. 7: Integrationsdomänen und Integration Styles kombinieren

Zu guter Letzt nutzt man die Integration Style spezifischen Decision Templates, um gesammelt für jede einzelne Integrationstechnologie den Empfehlungsgrad, die einzelnen Spezifika sowie Restriktionen aufzuschlüsseln und um die relevanten Integrationsdomänen pro Technologie aufzuzeigen.

Decision Table TemplateAbb. 8: Decision Table Template ISA-M-Fazit

Aus rein architektureller Sicht ist das ISA-M-Framework für große und wachsende IT-Systemlandschaften sehr zu empfehlen. Es ist schnell zu verstehen, einfach anzuwenden und eine sehr gut einsetzbare Methodik, vor allem dann, wenn es um die zentrale Dokumentation der gesamtheitlichen Ist- und Soll-Integration geht.

Allerdings ist ISA-M kein Allheilmittel und bedarf einer hohen Anpassung, wenn es um unternehmensspezifische Use-Cases geht, die ISA-M nicht standardmäßig mitbringt. Diese müssen akribisch evaluiert und für das ISA-M-Framework aufbereitet werden, um so eine nahtlose Dokumentation innerhalb des ISA-M-Frameworks garantieren zu können. Positiv herauszustellen ist, dass sich auch aufgrund der mitgelieferten standardisierten Integration Styles und Use-Cases, bereits schnell die gängigsten Prozesse und Bedürfnisse abbilden lassen.

Sie haben Fragen zu ISA-M oder suchen einen erfahrenen Beratungspartner, der Sie bei der Umsetzung des Frameworks unterstützen kann? Als Spezialisten für IT-Architektur und Integrationsberatung mit mehr als zehn Jahren Erfahrung im SAP-Umfeld, beraten wir Sie gern auf Ihrem Weg zu einer performanten Integrationsarchitektur.


ITARICON Digital Customer Solutions GmbH

ITARICON gestaltet digitale Lösungen für integrierte Kunden- und Lieferkettenprozesse. Wir setzen auf herausragendes Wissen im Management von Unternehmens- und Integrationsarchitekturen und führen unsere Auftraggeber damit zielgerichtet durch den digitalen Wandel ihrer Kerngeschäftsprozesse. In unserer Vision spielen die Produktions- und Lieferketten reibungslos mit dem Lebenszyklus der Kundenprozesse zusammen. Wir konzipieren und gestalten diese Lösungen für unsere Auftraggeber – ausgehend von Prozessberatung mit End-to-End-Fokus und mit einem herausragenden Technologieteam ausgestattet, das seinesgleichen sucht. Damit kreieren wir für unsere Auftraggeber und deren Kunden eine Informations-, Kauf- und Serviceumgebung, die Vertrauen schafft und die die ideale Grundlage für den langfristigen Geschäftserfolg darstellt.