Der „statische kWh-Preis“ in der neuen Energiewelt

Mon, 07 May 2018 15:29:57 +0200

Stromvertriebe stehen vor dem Dilemma, dass ihr Produkt die Kunden eigentlich weder begeistert noch sonderlich interessiert. Eine Mitschuld daran trägt sicherlich der „statische kWh-Preis“. Intelligente Messsysteme werden dieses Dilemma zwar nicht auflösen. Sie helfen aber, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwerfen, ohne dass der Kunde seine Komfortzone verlassen muss.

Kunden interessieren sich nicht für Strom

Eine der großen Heilsversprechen des intelligenten Zähl- und Messwesens sind variable Tarife. Stromkunden sollen dann Energie verbrauchen, wenn sie am günstigsten ist. Betrachten wir aber „den Kunden“ so stellen wir fest, dass er es bislang gar nicht gewohnt ist, Energie dynamisch und flexibel zu denken und zu verbrauchen. Seine Dimension ist der „statische kWh-Preis“. Kunden sind es gewohnt, dass elektrische Energie aus der Steckdose einfach zu jeder Zeit verfügbar ist und zu jeder Zeit den gleichen Preis hat. Ob er gar nicht dynamisch und flexibel denken will, sei dahingestellt. Offensichtlich ist aber, dass das alte Stromsystem und die beteiligten Player die Kunden dahingehend erzogen haben, Strom unhinterfragt zu konsumieren. Smart Meter sind für den Verbraucher nicht attraktiv. Kaum ein Stromverbraucher wirft einen Blick auf die Geräte oder die dazugehörigen Apps.

Keine Anreize für flexible Tarife?

Blicken wir auf die Anreize, die Kunden vorfinden, wenn sie auf flexible Tarife zurückgreifen wollen, so ist zumindest die Kostenseite kritisch zu hinterfragen. Heutzutage wird lediglich ein Viertel der Verbraucher-Stromkosten im Markt gebildet. Der Rest besteht entweder direkt aus Steuern und Abgaben oder ist wie die Netzkosten reguliert, also staatlich induziert.

Das verbleibende Viertel „Markt“ im Strompreis ist mit weiteren Kosten wie für Vertrieb und Marge belastet. Hier müssen wir uns die ehrliche Frage stellen: Schaffen wir kostenseitig einen Anreiz für die Stromkunden, aus ihrem gelernten Verhalten auszubrechen? Auch mit größtem Optimismus fällt es schwer, diese Frage mit JA zu beantworten. Aber, die Energiewende braucht flexible Tarife für ihr Gelingen. Die flexible Steuerung der Stromabnahme und damit ein Teil der Last ist elementar für das Stromsystem der Zukunft und – weitergedacht – der Sektorkopplung.

Kundenrolle wandelt sich – das Verhalten auch?

Die zunehmende dezentrale Eigenproduktion von Strom macht aus Stromabnehmern aktive Teilnehmer im Strommarkt. Bis zu fünf Millionen Dächer in Deutschland könnten langfristig mit Solaranlagen ausgestattet werden – die alle Steuerungsfunktionen erfordern. Zusätzlich dringen das Internet of Things und die Elektromobilität immer weiter in die Haushalte vor. Hier bieten sich neue Angriffspunkte für den Energievertrieb. Denken wir zurück: Der Kunde ist desinteressiert und träge. Das können sich die Vertriebsunternehmen zu Nutze machen, wenn sie Angebote erstellen, die die Dezentralität und auch IoT-Technologien nutzbar macht, ohne dass der Kunde selbst sich damit befassen muss.

Vertriebe wandeln sich zu Dienstleistern

Die Nachfrage der Kunden wird sich wandeln, hin zu Dienstleistungen, die Mobilität, Energieeffizienz und Telekommunikation zu einem sinnvollen System bündeln. Smart Meter erlauben genau das. Sie ermöglichen es, über die Gateway-Funktionen die Mehrwerte aus Internet-of-Things-Technologien und dezentralen Systemen zu heben, und in Angeboten zu bündeln.

Im Hintergrund lassen sich dann durchaus flexible Tarife abwickeln. Auch Flexibilitäten aus Verbrauchsgeräten und Produktionsanlagen lassen sich generieren und als Beitrag zur Energiewende den Netzen zur Verfügung stellen. Die Steuerung und Vermarktung dieser Flexibilität ist nicht mehr Sache des einzelnen Stromabnehmers. Die Vertriebe wandeln sich zu Dienstleistern „vor dem Zähler“, also gegenüber den Kunden, und zu Flexibilitätsvermarktern gegenüber dem Energiemarkt –  hinter dem Zähler. Intelligente Messsysteme dienen dabei als Steuerungs- und Kommunikationsschnittstelle zwischen beiden Segmenten.

Dem Kundenverhalten entgegenkommen

Der Kunde kann, will und muss davon nichts mitbekommen. Aus technischer Sicht findet sich die Analogie in der Informations- und Kommunikationstechnologie: Nutzer wissen zum Großteil nicht, wie der Computer oder das Smartphone funktionieren. Sie wollen es nutzen, ohne sich mit Betriebssystemen oder Installationsprozessen befassen zu müssen. Funktioniert etwas nicht, kontaktieren sie den Fachmann.

Vertrieblich zeigen die Mobilfunkanbieter, wie es geht. Sie koppeln Endgeräte mit Services und Tarifen. Die Komplexität nehmen sie ihren Kunden ab.  Energievertriebe können das auch. IoT-Endgeräte, Services und letztlich auch der Commodity-Preis sind vorhanden. Die komplexe Abwicklung der Verknüpfung, Steuerung und Flexibilität übernimmt der Dienstleister.

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